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Religionen im DialogSamstag, 08.04.2006

In Berlin wird nach gewalttätigen Ausschreitungen an Hauptschulen darüber diskutiert, ob die Idee der multi-kulturellen Gesellschaft gescheitert ist, in Dormagen wurde am Montag Abend der erste „Rat der Religionen“ im Land NRW gegründet: Neun Religions- und Kulturgemeinschaften haben Vertreter benannt, die sich regelmäßig treffen, den Glauben der anderen Mitglieder besser kennen lernen und sich bei Konflikten im Stadtgebiet zu Wort melden wollen. Gestern Abend fehlte bei der ersten Versammlung des Rates nur der Delegierte der katholischen Kirche.


Ein konkretes Beispiel: „Der Rat wird sich mit Sicherheit mit dem umstrittenen Bau der Moschee im Gewerbegebiet an der Roseller Straße beschäftigten und eine Stellungnahme abgeben“, sagt Wiljo Katers, Integrationsbeauftragter der Stadt und Koordinator des vom Land geförderten Projekts „Zusammenleben in Dormagen“ (ZiD).

INFO: Rat der Religionen

Am „Rat der Religionen“ beteiligen sich die katholische Kirche, die evangelische Kirche, die evangelisch-freikirchliche Baptistenkirche, die neuapostolische Kirche, der türkisch-islamische Kulturverein Diyanet, die islamische Gemeinschaft Milli Görüs, das Pir Sultan Abdal Volkshaus (Aleviten), die Baha’i-Gemeinde und die deutsch-indische Gesellschaft. Beteiligen wollen sich außerdem Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, die in Dormagen leben. Angeschrieben worden
waren auch die Zeugen Jehovas und der Verband der islamischen Kulturzentren, die sich für die Einladung bedankten, jedoch erklärten, sie sähen keinen Handlungsbedarf, beim „Rat der Religionen“ mitzumachen.

Dieser Ansicht ist auch Mehmet Güneysu, Vorsitzender des Dormagener Integrationsrates. „Die Auseinandersetzungen, die es um den Bau dieser Moschee gibt, beruhen auf Informationsdefiziten“, ist er sicher. Eine Aufgabe des neuen Religionsrates sei es, diese Defizite abzubauen. Hier sieht auch Vize-Bürgermeister Gerhard Woitzik Handlungsbedarf, der am Montag Abend die Versammlung eröffnete.

Auch an Dormagen seien Glaubenskonflikte wie der Karikaturenstreit nicht spurlos vorbeigegangen. „In Dormagen machen sich wachsende Sorgen und Ängste in der Bevölkerung bemerkbar, die Diskussion um die Moschee hat das sehr deutlich gezeigt“, so Woitzik. „WIr müssen diese Ängste der Menschen ernst nehmen. Schweigen hilft nicht weiter. Wenn wir nichts dagegen tun, werden die Vorbehalte und das gegenseitige Misstrauen nur noch größer.“

„Wir starten hier etwas ganz Neues“, sagt Katers. Einen regelmäßigen Austausch der Religionsgemeinschaften in Dormagen habe es bislang nicht gegeben. Er selbst erhoffe sich von dem Dialog „Impulse für einen besserene Integrationsprozess“. „Dieser Rat ist ein Meilenstein für ZiD“, meint Katers. Das heißt: Vertreter im Religionsrat sollen ansprechen, wo sie konkrete Probleme im Zusammenleben der Religionen in Dormagen sehen und Lösungsvorschläge diskutieren.

„Dabei wird auch Gewalt ein Thema sein“, sagt Güneysu. „Und wir werden gemeinsam deutlich machen, dass alle beteiligten Religionsgemeinschaften hier in Dormagen Hass und Gewalt strikt ablehnen.“ Besonders wichtig sei dabei, auch Jugendliche in diesen Prozess einzubinden - etwa im Schulunterricht.

Die Ergebnisse der Gespräche im „Rat der Religionen“ würden jedoch nicht in erster Linie in Resolutionen und Stellungnahmen münden, meint der evangelische Pfarrer und Mitinitiator Dr. Heinz Tenhafen. Greifbar sei vielmehr eine atmosphärische Veränderung in den Beziehungen der beteiligten Personen - und der beteiligten Glaubensgemeinschaften.

Der erste Schritt soll jetzt sein, mehr über den Glauben der anderen Religionen in Dormagen zu erfahren - und damit auch mehr Verständnis füreinander zu entwickeln. Geplant ist ein interreligiöser Festkalender, in den alle Feiertage der unterschiedlichen Religionen eingetragen werden, ein interreligiöser Wandertag, bei dem unterschiedliche Gotteshäuser, aber auch Friedhöfe besucht werden sollen, sowie gegenseitige Besuche an den Feiertagen.

Info Bild:
Miteinander ins Gespräch kommen wollen die Delegierten des „Rates der Religionen“: (v.l.) Abdurrahman Kalem, Metin Imanoglu, Stella Pathrose Fiedler, Roger Mc Cloy, Christof Gedig, Kazin Canpolat, Frank Picht und Fiona Missathian-Moghaddam. Foto: H. Jazyk